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Casto-Elrico vom Salzkammergut
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"Burschi von der Vorstadtsiedlung - Meine Hundstage"

von Kurt H. Steindl

Leseprobe:

Burschi auf hoher See

Eines Tages sind meine Herrschaften plötzlich mächtig aufgeregt. Sausen wie die Bienen zwischen fahrender Höhle und Haus hin und her. Packen jede Menge Sachen auf die hintere Sitzreihe und ich kann es richtig riechen, dass da heute was Besonderes in der Luft liegt. Und tatsächlich, schon bald flüstert mir die Futtergeberin ins Ohr:
Burschi, wir fahren segeln! Und darfst mitkommen! Hörst du, segeln! Auf dem großen, weiten Meer! Verstehst du?“

Natürlich verstehe ich nur Bahnhof, aber die Blume meines Herrn erzählt öfter so Sachen, zu denen man sich keinen Reim bilden kann. Ich bleibe deshalb ganz cool und bin völlig unaufgeregt, denn schließlich hat sie eindeutig gesagt, dass ich mit von der Partie bin. Also lasse ich die Sache auf mich zukommen und bin völlig entspannt. Obwohl sich mit der Zeit doch massive Befürchtungen bei mir breit machen. Wenn die weiterhin die Kiste so mit allerhand überflüssigem Zeugs voll räumen, wird´s auch für mich langsam eng werden. Außerdem habe ich noch keinen gesehen, der einen großen Sack Futter in die fahrende Höhle gestellt hätte. Die werden ja hoffentlich nicht auf das Wichtigste vergessen? Als mein Gebieter endlich einen großen Sack Nahrung auf den Rücksitz stemmt, bin ich gänzlich beruhigt. Meer, wir kommen. Die Landschaftszieher haben diesmal eine Menge Arbeit. So lange wie dieses Mal, haben die wohl noch nie in ihrem Leben zu ziehen gehabt!

Endlich kommen ich und meine Herrschaften da am Meer an. Boot ist da. Wasser ist da. (Schmeckt übrigens scheußlich). Ich treib meinen Gebieter und die Futtergeberin sofort an, damit die ihr Zeug und mein Fressen schneller an Bord schleppen - und los geht’s! Beinahe, denn zuvor ist mein Gebieter noch so nett und fischt mich aus dem Wasser. Was war geschehen?

Nun, ich war ziemlich eilig, ihr versteht, neue Umgebung, alles erkunden und so. Hab´ mich einen Dreck geschert, wie ich auf das blöde Boot komme. Schließlich wurde mein Herr und Gebieter im Tonfall etwas eindringlicher, also bin ich über so eine Holzplanke rüber. Aber nicht ganz. Das verdammte Ding war höllisch glitschig und meine Spikes fanden keinen rechten Halt. Aber ich bin mit Würde geplumpst, das könnt ihr mir glauben. Mit hocherhobenen Kopf in die Tiefe, bis das Wasser über mir zusammenschlug! Anlegeplatz für Hunde war keiner da, also bin ich im Kreis umhergeschwommen, bis mich mein Gebieter zu fassen gekriegt hat. An meinem rechten Vorderlauf hat er mich schließlich hochgezogen. Was für ein Glück, dass ich nur leicht übergewichtig bin!

Nach einer erfrischenden Salzwasser-Dusche für meine Leute geht´s aber dann richtig los. Zuerst alles paletti. Aber dann ziehen die so ein riesiges Tuch hervor. Ich denk´, mich tritt ein Pferd! Ich bin ja nun wirklich nicht schreckhaft, aber so einen großen flatternden Fetzen habe ich noch nie gesehen. Vielleicht wollen die mich einpacken und dann der See übergeben? So wie in den Filmen, die meine Gottobersten immer ansehen? Ich bin auf jeden Fall mächtig auf der Hut, das kann ich euch sagen. Aber nichts geschieht. Es ist halt bloß da, dieses überdimensionale Leintuch. Und riechen tut es nach gar nichts! Wir schippern also da so friedlich herum, als mein Körper plötzlich einen Drang meldet. Hat eine Zeitlang gedauert, bis die kapiert haben, warum ich bereits die Augen verdrehe.

Schließlich geht mein Herr und Gebieter mit mir aufs Vorschiff (so heißt die Spitze von der schaukelnden Höhle) und deutet auf den Boden. Was denn, da soll ich hinmachen? Das gibt doch eine Schweinerei! Und außerdem rieche ich nix! Ich brauch was zum Riechen, wenn ich pinkeln soll!
„Nix da!“, meint er, „entweder so oder gar nicht!“
Na, ich lass ja mit mir reden, also vergieße ich mal ein paar Spritzer. Aber eine rechte Freude ist es wahrlich keine, das könnt ihr mir glauben. Außerdem bin ich beim Bein-heben, ja noch immer ein Anfänger und die Schaukelei erleichtert die Sache nicht gerade.

Nach elendslanger Zeit rasselt dann eine Kette und wir stehen. Wer jetzt glaubt alles okay, der irrt sich gewaltig. Nix wie Wasser rund um mich. Na denen hab ich mal was gebellt. Schließlich werde ich mit einem kleineren Boot an Land gerudert.

Nächsten Tag die selbe Leier. Nur diesmal fahren wir abends in einen Hafen. Ich kann direkt an Land. Bin gleich einmal auf Erkundungstour und da treffe ich sie. Zwei Kerle. Halbstarke. Der eine schwarz, der andere braun-gelb gescheckt. Rasen auf mich zu, wollen mir vielleicht Angst einjagen. Aber nicht mit mir! Ich belle „Attacke” und los geht’s. Während ich den einen über den Haufe renne, greift mich der zweite von der Seite an. Kurzes Abschütteln und ich bin über ihm. Der erste will wieder auf die Pfoten, aber ich bin schneller. So wechsle ich zwischen beiden, bis sie aufgeben und liegen bleiben.

Mein Gebieter findet mich schließlich und macht mir wieder Vorhaltungen. Aber hätte ich kneifen sollen? Mal ehrlich Leute, so eine richtige Rauferei ist doch was Feines! Und unter Männern tut man sich auch nicht absichtlich weh. Das tun nur die Weiber, die wissen eben nicht, wie weit man gehen darf.

Kurz darauf fahren wir wieder weg. Irgendwas von peinlich und die wollten doch nur spielen flüstert die Futtergeberin. Ich sehe meine Kampfgefährten noch auf dem Nachbarboot. Ob unser Ablegen wohl damit zu tun hat? Egal, wir fahren dann in eine nahe, ruhige Bucht. Meine Leute sammeln Holz, ich verteil´s wieder und schließlich brennt da ein Feuer und gutes, saftiges Fleisch wird vor meinen Augen verzehrt.

Ich bekomme nicht ein Stück. Typisch! Ich kann Trockenfutter würgen und die legen sich herrlichen Lungenbraten auf den Grill! Etwas später kommen auch noch andere Leute und meine Gottobersten gießen sich mächtig einen hinter die Binde. Sofort habe ich an Amy und seine Geschichte mit dem scharfen Wasser denken müssen. Und es war tatsächlich so, wie es Amy beschrieben hat. Mein Gottoberster singt, dass die ganze Bucht erbebt!

Die haben dann natürlich kein Auge mehr für das kleine Boot mit den Rudern, auch nicht für das große Boot und überhaupt, alles ist ihnen offensichtlich egal. Natürlich passe ich dafür umso mehr auf. Und als hätte ich es geahnt, springt doch plötzlich einer von den Fremden auf und läuft schnurstracks auf unser kleines Boot zu. Na, ich hinterher. Und als der Dieb zum Sprung ansetzt, beiß´ ich zu. Kurz, aber kräftig. Mann, was kann der schreien! Wie ein kleiner Welpe, dem man die Zitze versteckt hat. Hört gar nicht mehr zu schreien, der Dieb.

Was bin ich stolz! Bis mich mein Herr und Gebieter in die Mangel nimmt. Von wegen neue Freunde beißen, ohne Grund. Der wollte nur die Gitarre meines Meisters holen, wurde mir erklärt. Ja kann ich denn hellsehen? Warum sagt mir das keiner? Und ich bin dann der Böse. Aber was soll´s, ich weiß ja, dass meine Leute eine Macke haben. Das nächste Mal helfe ich dem Dieb auch noch! Jawohl!

hier geht´s zu den Leseproben ...


Buchtitel: "Burschi von der Vorstadtsiedlung – Meine HundsTage"
Autor: Kurt H. Steindl  
Seiten: 216
, gebunden (kein Taschenbuch, sondern ein "richtiges")
Verkaufspreis:  € 14,90

Bestellung per Nachnahme in Österreich:  Bestellung per Nachnahme in Deutschland:
  Kurt H. Steindl
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